An diesem 23. Juni – San Joan – habe ich auch gesehen was ich aus meiner Heimatgemeinde schon kannte : Das Funkenfeuer. Hauptbestandteile sind allerdings hölzerne Industriepaletten sowie Möbel. Obwohl ich schon mehrere Jahre hier bin ist mir dies erst jetzt ins Bewusstsein gerueckt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen dass was in Deutschland auf einem Hügel in einer Naturbelassenheit angezündet wird hier mitten in der Stadt abgebrannt wird.

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Carmanyola
Voll Pessimismus erwartete ich den 23. Juni, ich konnte mir nicht vorstellen dass bei 10 Euro Eintritt viele Leute an dem Essen teilnehmen würden. Die Strasse ist recht schmal und sehr lang und es war auch nur ein Teil von ihr abgesperrt. Gegen zehn Uhr fing es an. Zu meiner Überraschung waren die meisten Plätze besetzt. Am unteren Ende die Mitglieder des Vereins (Asociacio de Veins), auf der entgegengesetzten Seite viele im Rentenalter (die höchstwahrscheinlich auch in der Strasse wohnten), neben mir einige Frauen und spaeter kam auch noch ein Deutscher – ich erkundigte mich und erfuhr so dass sie alle in der Nähe wohnten. Es gab also keine Gelegenheit jemanden kennenzulernen der in irgendeiner Weise Nachbar wäre. Es scheint so, als sei die Asociacio de Veins nicht in erster Linie eine Interessenvertretung all derer die in der Strasse wohnen sondern nur mit der Vorbereitung der Fiesta Mayor beschaeftigt. Mit mir sass ein Deutscher zu Tisch der meinte, hier kämen die Vertreter der politischen Parteien nur dann wenn es kurz vor den Wahlen wäre.
Eine nette Geste, weil nicht angekündigt, war dass es auch Kaffee und Kuchen (Coca) sowie Champagner (Cava) gab. -
ESMUC
Konzert des Orchesters der ESMUC (so etwas wie der staatlichen Hochschule für Musik). Es werden unter anderem Werke von Wagner gespielt. Einführung durch die Professorin fuer ‘Percepcio Auditiva’, Sofia Martinez, sie zitiert Hitler mit der Bemerkung, wenn er Wagner höre, überkommt ihn die Lust Polen zu erobern. Sie stellte dazu einen analogen Vergleich her, sie wuensche, dass es mit dieser Musik auch gelänge, die Herzen des Publikums zu erobern.
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Mozart
Im Museu de la Musica (nahe dem Auditori) kann man eine Partitur sehen, auf deren Beschreibung es heisst, Mozart sei ein Wiener Musiker. Da wuerden sich die Salzburger wohl im Grabe umdrehen.
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Carmanyola
Immerhin gibt es in meiner Strasse einen Verein den man in Spanien Asociacion de Vecinos heisst. Und da es Katalanen sind, heisst das Strassenfest Carmanyola. Ich kenne das schon von Toulouse. Alle die in der Strasse wohnen treffen sich eines Abends. Stuehle und Tische stehen in der Strasse die für den Verkehr gesperrt ist, und jeder bringt was zu Essen mit. Nun kann ich nicht sagen, wie das in Frankreich organisiert wurde. Jedenfalls verlangt hier der Verein von mir zehn Euro pro Teilnehmer (obwohl ich mich vorher angemeldet habe, der alte Mann dem ich den Beitrag zahlte, er schien es nicht zu merken dass ich eigentlich nur die Hälfte dessen geschuldet hatte). Aus einem Artikel in der Vanguardia habe ich erfahren dass es ueber dreissig Euro Gebühren kostet ein solches Fest anzumelden. Nun, ich bin also im Vereinslokal gewesen. Dort wurden gerade kleine Tiere aus Papmache hergestellt. Alles alte Leute ausser einer juengeren Frau, sie waren damit beschäftigt die nasse Pappe zu modellieren. Ich habe gefragt warum ich auf meine Email keine Antwort erhalten habe. Der alte Mann antwortete mir, ich haette ja geschrieben dass ich heute komme und den Beitrag bezahle. Ich hatte mich allerdings auch schon vor einigen Tagen zu einer Fahrt nach Besalu angemeldet und keine Antwort bekommen.
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Endlich Gas (V)
Wieder ein Morgen an dem ich kalt geduscht habe. Nun ist an diesem Tag eines geschehen mit dem ich nach all dem vorangegangen kaum gerechnet haette. Es gingen ein paar Telefonanrufe – merkwuerdige Nummer – voraus, und es vibrierte in meiner Hose oft und wenn ich abnahm so hoerte ich niemanden am anderen Ende. Es war, um es kurz zu machen, der Gasmann hoechstpersoenlich. Ich habe ihn schliesslich nach etwa einem halbdutzend Anrufen an der Strippe gehabt. Er fragte mich ueberraschenderweise, ob ich wolle dass man mir das Gas abstellt. Ich habe mir gedacht dass abstellen in diesem Zusammenhang wohl das Gegenteil bedeute, und sagte zu. Es muesse nur noch der Tag geklaert werden wann das geschehen solle und ich muesste den Mann auch hereinlassen. Da ging mir ein Licht auf. Wenn man so hartnaeckig ist um das Gas abzustellen, muss ich ja wirklich Gas haben. Und wirklich. Ich drehte am Zaehlerkasten das Ventil auf und testete am Herd : Da kam Gas und ich haette etwas in der Pfanne braten koennen. Nun ist wohl das unwahrscheinlichste dass ich mir das nochmal abstellen lasse !
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GAS IV
Dieser letzlich ultimativen Aufforderung wollte ich nachkommen und eine Agence von Gas Natural aufsuchen, was nicht einfach war, weil einfache Websuche nach GasNatural nichts ergibt, weil, wie ich festgestellt habe, dies alles Vertragshaendler sind die auf eigene Faust wirtschaften. Ich bin nun zu einer solchen Agence gegangen in der Bangen Hoffnung dass nun doch Gas werde. Da sass eine Dame mit einem Lehrling, zumindest hoerte sich der Dialog so an. Es wurde mir gesagt, erstmal muesse der Zaehler ausgebaut werden, was drei Wochen dauere, und anschliessend wieder eingebaut. Und dazu braeuchte ich eine Kopie des Ausweises (NIE) sowie des Mietvertrags. Die Kopiermaschine war gross und stand nebenan, so dass ich fragte ob sie dies nicht jetzt gleich erledigen koennte. Es wurde mir bedeutet, die Maschine waere nicht dazu da etc und dies muesse ich in einem Copyshop ein paar Meter weiter machen. Ich versuchte hart zu bleiben und blieb es. Wenn Sie die Kopien nicht machen, gibt es keinen Vertrag. Tja, so ist es oder vielmehr so war es. Ich bin wieder gegangen ohne einen Vertrag abzuschliessen.

